Lustwandelnd Energie tanken - "Trostbäume in Mußeräumen", Burg Klamm, Foto: Nicole Ginzinger
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Lustwandelnd Energie tanken – „Trostbäume in Mußeräumen“

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In der Nacht sind noch die letzten Schneeflocken gefallen, die Luft ist frisch und kühl. Die Vögel zwitschern dennoch schon fleißig ihr Morgenlied und wecken uns sanft, aber bestimmt aus unseren Träumen. Über dem Simmering und der neckisch hervorlugenden Spitze des Tschirgant thronen ein paar Wolken, doch die ersten Sonnenstrahlen schaffen bereits Platz für einen strahlend blauen Himmel.

„Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute,
klinge, kleines Frühlingslied,
kling hinaus ins Weite…“
(Heinrich Heine)

Lustwandelnd Energie tanken - "Trostbäume in Mußeräumen", Burg Klamm, Foto: Nicole Ginzinger

Lustwandelnd Energie tanken – „Trostbäume in Mußeräumen“, Burg Klamm, Foto: Nicole Ginzinger

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, hört man immer wieder von Einheimischen, wenn man über das Mieminger Plateau spaziert. Dieser Spruch ist mehr als ein Werbeslogan, mit jedem Schritt durch die grünen Lärchenwiesen verfestigt sich die Gewissheit, dass dieses Fleckchen Erde ein Kleinod ist – und Medizin für Körper und Geist. Nicht nur wegen der schönen Landschaft und den vielen Sportmöglichkeiten. Nein, vor allem wegen der besonderen Energie, die die Natur hier verströmt und die man mit jedem Schritt und jedem Atemzug tanken kann. Spazieren durch die Natur – ein kulturelles Erbe der Aristokraten – ist seit jeher mit Lust und Muße verknüpft.

Der Begriff leitet sich laut Duden von mittelhochdeutsch spacieren, spazieren < italienisch spaziare < lateinisch spatiari = einherschreiten ab, das wiederum von lateinisch spatium = Raum, Zwischenraum kommt. Ein maßvoller Raum, den man Schritt für Schritt überwindet. Ein Spaziergang durch unsere Wälder schafft aber auch Raum im Geist, Raum für neue Gedanken und Gefühle – und Distanz zu Problemen und Sorgen, die uns im Alltag belasten.

Schon Hippokrates meinte: Gehen ist des Menschen beste Medizin. Dies bestätigen mittlerweile unzählige wissenschaftliche Studien. Am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit im Zentrum für Medizin in Nippon etwa stellten Forscher in einer Studie fest, dass ein Spaziergang durch den  Wald den Blutdruck senkt, den Puls beruhigt und Stresshormone deutlich reduziert. Schon allein der Anblick des satten Grün der Pflanzen beruhigt und entspannt. Laut einer Studie der George Washington University School of Public Health wirkt Spazierengehen sogar gegen Depressionen.

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden. Man flieht aus den Büros und den Fabriken. Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund! Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken, wird man gesund.“
(Erich Kästner)

Mittlerweile wird die Luft etwas wärmer und die ersten Frühlingsboten verströmen ihren zarten Duft. Die Erde riecht hier noch nach frischer, richtiger Erde, manchmal mischt sich auch etwas Mist darunter, schließlich dürfen unsere Bauern hier noch richtig Landwirtschaft betreiben. Auch etwas, das diesem Stück Land etwas Ursprüngliches, Bodenständiges und Kraftvolles verleiht.

Die Kraft, die man im Körper spürt, wenn die  Muskeln warm werden, Energie alle Glieder warm durchströmt und sich ein wohliges Gefühl breit macht. Nicht nur dem Geist tut so ein Spaziergang gut, auch das Immunsystem wird gestärkt, das Diabetesrisiko gesenkt und die natürlichen Killerzellen sollen aktiver werden beim Flanieren durch Wiesen und Wälder.

Heidekraut, Erica, Foto: Nicole Ginzinger

Die Natur erwacht – Heidekraut, Erica, Foto: Nicole Ginzinger

Weiter drüben, Richtung Gschwendt, sieht man einen Bauern mit seinem Traktor die morgendliche Feldarbeit verrichten und ein paar Meter weiter herrscht geschäftiges Treiben im Stall. Hungrige Ferkel quietschen freudig, als der Bauer das Futter bringt, die Kühe freuen sich über das Kraftfutter und die Kälber dürfen auf der Wiese vor dem Hof toben. Das Bild ähnelt einem der fantastischen Wimmelbücher von Ali Mitgutsch. Und doch ist es das pure Leben, unverfälscht.

Auf jedem  Meter begegnet uns ein anderes Blümchen. Leberblümchen von zartrosa über pink bis lila und sogar das ein oder andere weiße streckt schon sein Köpfchen aus der Erde. Daneben wachsen zarte Veilchen und auch Krokus und Co. lassen sich die ersten Frühlingssonnenstrahlen nicht entgehen. Die Pflanzenvielfalt hier ist – noch – beeindruckend. Beim Versuch, die zarten Blüten zu benennen, stelle ich peinlich berührt fest, dass ich mit den Blumen nicht mehr allzu viel anzufangen weiß. Die Zeit und Hektik des Alltags haben das Wissen verblassen lassen, und außer beim Spazierengehen begegnet man der Natur nur noch selten. Ich mache ein paar Bilder und nehme mir vor die Namen der Pflanzen nachzufragen, die sich so tapfer durch den letzten Schnee der Sonne entgegenkämpfen und von deren Kraft auch wir zehren können. Bestimmt ist die ein oder andere Heilpflanze dabei – auch ein Wissen, das den meisten von uns abhanden gekommen ist.

Im Kaysers Tirolresort finde ich für diese Fragen die richtige Ansprechpartnerin. Michaela ist Berg- und Wanderführerin, diplomierte Wellnesstrainerin, Kräuter- und Räucherexpertin und bietet im Kaysers vom Schneeschuhwandern im Winter über Nordic Walking, Wanderwochen und Kräuterwanderungen im Sommer die ganze Palette an Outdoor-Aktivitäten an, die das körperliche und geistige Wohlbefinden steigern.

Aber das muss jetzt noch ein bisschen warten. Bevor ich mich näher mit der Kräuterkunde beschäftige, möchte ich erst einmal meinen Energiehaushalt wieder auf Vordermann bringen. Und dafür brauche ich im Moment nichts anderes als Bewegung an der frischen Luft, in der Natur, die mich hier direkt vor der Haustür – meiner eigenen und der vom Kaysers Tirolresort – begrüßt. Deshalb schwenke ich jetzt von den Feldern und Wiesen bei Gschwendt linker Hand in den Wald, der mich zur Burg Klamm führt, und sauge den harzigen Duft der Kiefern, Fichten und Föhren tief und gierig in meine Lunge.

Hier im Wald  sieht man um diese Tageszeit nur wenige Menschen, dafür umso mehr vierbeinige und im wahrsten Sinne beflügelte Waldbewohner. Eichkätzchen tollen durch die Wipfel, die einzelnen Vogelensembles sind mittlerweile zu einem beeindruckenden Orchester zusammengewachsen, das dynamisch  sein symphonisches Werk durch die Wälder schmettert. Sogar ein Kuckuck ist schon zu hören – wie jedes Jahr habe ich auch jetzt kein Geld in der Tasche, das mir einem alten Aberglauben zufolge das ganze Jahr über nicht ausgehen sollte, hätte ich es beim ersten Kuckucksruf bei mir – dann wird’s wohl auch heuer nichts mit dem Reichtum. Aber ganz ehrlich, reich sind wir doch schon. Reich an Natur, frischer Luft und langsam auch wieder an Energie, um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Überhaupt bekommt man bei so einem intensiven Naturspaziergang eine wunderbare Distanz zu den Alltäglichkeiten, kann endlich wieder relativieren, aussortieren und fokussieren, auf das, was wichtig ist.

Nicht nur die Distanz zu meinen Problemen, auch die Wegstrecke ist inzwischen ordentlich gewachsen. Aber so leicht wie das Leben hier draußen fühlen sich jetzt auch meine Füße an. Der moosige weiche Waldboden leitet mich sanft Richtung Mötz, die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die Äste und die Bäume schlagen mir kräftig ihre Wurzeln entgegen, als ob sie mir zeigen möchten, dass sie voll im Saft stehen und ihnen hier draußen niemand etwas anhaben kann. Die Luft hier duftet so intensiv nach Moos, Harz und Nadeln, dass es schon fast berauschend wirkt – ebenso wie das Rauschen des Wasserfalls, das allmählich lauter wird. Ein fast schon mystisches Stück Weg durch die Klamm unterhalb des Bergfrieds.

 

Mein Kopf fühlt sich frei an und die neu gewonnen Energie trage ich behutsam in mir wie einen kostbaren Schatz, den ich soeben wieder entdeckt habe: Die Leichtigkeit des Seins. Von Mötz hinauf darf mein Puls noch etwas steigen – das tut Herz und Kreislauf gut –, um, oben angekommen, umso entspannter zu schlagen. Frisch gestärkt, zufrieden und entspannt – so schnell wird mich heute nichts mehr aus der Ruhe bringen.

Und morgen, ja morgen, werde ich mir ein weiteres Stück Energie zurückerobern und mich auf die Suche nach der Stöttlhex machen… oder mit Wanderführerin Michaela vom Kaysers in die Welt der Kräuter eintauchen.

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