Der Inzinger Hof auf 1641 Meter über dem Meer
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Almsommer mit gekrönten Häuptern

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Wenn Gregor Haslwanter aus Inzing melken geht, scharen sich gleich mehrere »ausgezeichnete« Damen um ihn – der junge Ziegenzüchter heimst mit seinen »Goaßen« regelmäßig Medaillen bei Ausstellungen ein. Den Sommer verbringt er mit ihnen auf der Inzinger Alm auf 1.641 m oberhalb von Inzing, die er gemeinsam mit seiner Mutter Martina und seinem Bruder Christoph Haslwanter bewirtschaftet, Schwägerin Julia kommt am Wochenende zum Helfen vorbei.

Bis zu 28 Melkziegen, etwa 30 Kitze und drei Zuchtböcke tummeln sich zeitweise im Stall, auf der Alm sind es derzeit etwa 30. Der 26-jährige Jungzüchter hat schon lange sein Herz an die frechen und neugierigen Paarhufer verloren. Mit 13 Jahren ist er durch einen Nachbarn des elterlichen Hofes auf die Ziegen gekommen und bald darauf packte ihn auch der Ehrgeiz, durch Züchtung möglichst »schöne Goaßen« sein Eigen zu nennen. Durch Ankauf von guten Zuchtböcken, z.B. aus der Schweiz konnte er gute Erfolge erzielen: „Da muss einiges zusammenpassen, bei den Ausstellungen werden Größe, Länge, Beckenneigung und Euter bewertet oder auch das »Fundament«, d.h. die Beinstellung und die Fesseln.“ Eine Staatspreismedaille in Gold und viele bunte Turnierschleifen und Urkunden hängen schon daheim an der Wand und beweisen, dass sich konsequente Pflege und Engagement auszahlen.

Die »Sommerfrische« auf der Alm genießen die Ziegen besonders, obwohl Gregor sich nicht nur auschließlich ihnen widmen kann: Christoph und Gregor sind von Mitte Juni bis Mitte September auch für 190 Stück Vieh der Inzinger Bauern zuständig – Mutterkühe und Milchkühe verbringen die Sommermonate auf der Inzinger Alm. „Wir haben die Alm heuer das 5. Jahr von der Gemeinde gepachtet. Die ersten beiden Jahre waren schwierig, weil eine Mure den Weg zerstört hat und viele Wanderer vom weiten Fußweg abgeschreckt wurden. Auch wir sind nur über Umwege und auch teilweise zu Fuß auf die Alm gekommen.“ Jetzt ist wieder die Zufahrt zu einem Parkplatz einige hundert Meter vor der Alm möglich. „Es kommen auch viele Radler – entweder mit dem Mountainbike oder e-Bike zu uns, aber der Fußmarsch von etwas mehr als drei Stunden von Inzing herauf erfordert schon einige Kondition. „Natürlich kann man sich bei uns aber danach bestens stärken“, lacht seine Mutter Martina, die Tirolerische Almkost – stilecht – am Holzherd zubereitet. „Knödl, Krapfen und alles was so dazugehört gibt’s bei uns“, meint sie.

Aus der Kuhmilch wird Butter gemacht, aus der Ziegenmilch »Goaß-Kas« und Frischkäse, der in Öl mit Kräutern eingelegt wird. „Es gibt auch viele, die die Ziegenmilch als Getränk schätzen, einerseits, weil sie keine Kuhmilch vertragen oder weil sie bei verschiedenen Hautproblemen, z.B. bei Neurodermitis, Linderung bringt.“ „Für mich gibt es sowieso nichts Besseres als eine frisch gemolkene Ziegenmilch, die noch schön warm ist“, schwärmt Gregor Haslwanter. Und dass die Ziegen (und auch die Kühe) im Sommer nur die besten Almgräser und –kräuter fressen, schmeckt man auch durch die Milch. Das Almleben an sich hat für die jungen »Almer« Gregor und Christoph jedenfalls seinen besonderen Reiz: „Da ist man wirklich auf sich gestellt und muss auf die Natur reagieren. Und bei einem Gewitter am Berg ist ordentlich was los, das darf man nicht unterschätzen.“ „Meine Großeltern waren auch so »almnarrisch«“, erzählt Mutter Martina, „bei mir hat das zwar eine Generation übersprungen, aber jetzt bin auch untertags da und helfe aus, wo es geht“, schmunzelt sie.

Die Inzinger Alm ist ein hervorragender Zwischenstopp bei Weitwanderungen zum Inzinger Berg, zur Hundstalalm, zum Hundstalsee und zum Rosskogel. Für Reservierungen (Übernachtungsmöglichkeit für ca. 20 Personen) ist die Inzinger Alm übers »Hüttentelefon« erreichbar: 0676/6214830, weitere Infos sind auch auf facebook zu finden.

Weitere Beispiele für »wander- und wunderbare« Hütten und Almen in der Region:

Wildmoosalm bei Seefeld: Wanderweg Nr. 2 von der Kirchwaldsiedlung in Seefeld aus – ca. 1 Stunde, ist auch mit einem Bus erreichbar, täglich von 8-16 Uhr von Seefeld aus jede Stunde.

Rauthhütte: Gehzeit vom Parkplatz Buchen ca. 1 Stunde

Lottenseehütte: Gehzeit von Mösern 30 Minuten, von Buchen 45 Minuten, von Seefeld 1,5 Stunden

Flaurlinger Alm: Gehzeit vom Flaurlingberg 2,5 Stunden

Pfaffenhofer Alm: Gehzeit ca. 2,5 Stunden ab Pfaffenhofen

Bildnachweis: Inzinger Alm, Margit Offer

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