Ein Tiroler Klassisker - Der Speckknödel
Blog Ernährung Kaysers Kultur Tiroler Spezilität

Porträt eines Urtirolers: der Tiroler Knödel stellt sich vor

Schreibe einen Kommentar

Er ist in Restaurants von gutbürgerlichen Wirtshäusern bis Almhütten zu finden und befindet sich besonders gern in Gesellschaft seinesgleichen und verschiedener Beilagen – der Tiroler Knödel. »Der Knödel« steht für traditionelle ländliche Küche, gilt als das typische lokale Gericht und zeigt sich in verschiedensten Größen, Formen und Variationen von Tiroler Knödel bis Kaspressknödel, von Spinatknödel bis zum Semmelknödel.

Ein Tiroler Klassiker: Speckknödelsuppe

Ein Tiroler Klassiker: Speckknödelsuppe, Bildnachweis: Tirol Werbung Nolf

„Gestatten, mein Name ist Tiroler Knödel, Freunde und nahe Bekannte können mich auch einfach »Speckknödel« nennen. Nach einer alten Sage sei ich anscheinend vor fast 500 Jahren in Hall entstanden, als hungrige Landsknechte auf ihrem Weg Richtung Süden dort einkehrten und von der Wirtin unter der Androhung „sonst schlagen wir alles zusammen“ ein Essen verlangten. Da sie nichts anderes im Hause hatte als altes Brot, Speck, Eier, Butter und Milch, habe sie alles klein geschnitten, verknetet und die daraus geformten Kugeln gekocht. Laut Überlieferung seien die Landsknechte dann gut gesättigt und zufrieden wieder weitergezogen. Nun gut, ich darf sagen, seit damals habe ich eine gewisse Berühmtheit erlangt: ich komme in fast jedem Tiroler Haushalt immer wieder auf den Tisch und lasse mich gerne vernaschen. Bei Bedarf bringe ich Kraft und Energie, ansonsten nur puren Genuss … Meine inneren Werte sind ebenfalls zum größten Teil typisch tirolerisch: der Speck sollte vom Metzger am Eck oder vom Bauern im Dorf sein, von dem am besten auch die Milch und die Eier bezogen werden. Beim Brot bin ich nicht so wählerisch, ich bestehe nicht auf vorgefertigtem Knödelbrot aus dem Supermarkt, sondern lasse mich auch gerne – im Sinne der Nachhaltigkeit – mit altem, würfelig geschnittenem Weißbrot auf eine Verbindung ein. Geröstete Zwiebel zähle ich ebenfalls gerne zu meinen inneren Werten, da mich diese noch zusätzlich g’schmackig werden lassen.

Nach einem Spruch des bayerischen Dichters Kobell über den Speisezettel der Tiroler gehöre ich sogar zu den Grundpfeilern der Tiroler Küche. Er sagte: „Knödel, Nocken, Nudel, Plenten sind die vier Tiroler Elementen.“ In aller Bescheidenheit gebe ich jedoch zu bedenken, dass auch in anderen Ländern knödelähnliche Gebilde auf den Tisch kommen (z.B. gnocchi in Italien oder Klöße in Deutschland). Aber so einen Tiroler Knödel wie mich gibt es trotzdem nur einmal. Früher wurde ich vorwiegend am Sonntag oder an den »Knödeltagen« Dienstag und Donnerstag gegessen und zwar in bestimmter Reihenfolge: „Nach altem Brauch isst man den ersten Knödel in der Suppe, den zweiten zu Sauer- oder Rübenkraut, den dritten zu Eingemachtem oder Schweinernem, den vierten mit Salat. Wer dann noch kann, beginnt wieder von vorne.“ (Aus: Maria Drewes: Tiroler Küche).

Die große Nachfrage nach meiner Wenigkeit bringt auch Tiroler und Gäste in feierlicher Stimmung zusammen: im Unterland in St. Johann in Tirol gibt es alljährlich ein Knödelfest, das heuer Ende September Knödelgenießer an einem 500 m langen (!) Knödeltisch versammelte. 19 Gastwirte bieten beim Fest 25 alternative Knödelspeisen an (z.B. auch Marillenknödel…), der Andrang zum Knödelfest ist seit 36 Jahren ungebrochen.

 

Doch nun will ich mein Innerstes offenbaren und verraten, wie aus den Zutaten eine so wohlgeformte Schönheit werden kann:

Rezept Tiroler Knödel:

Zutaten: (für ca. 10 Knödel)

120 g Knödelbrot (Semmelwürfel)
2 Eier
80 g Bauern- oder Frühstücksspeck (bzw. gekochtes Geselchtes)
50 g Zwiebeln
40 g Schweine- oder Butterschmalz
100 ml Milch
1 EL Petersilie, feingehackt
Salz
Majoran

Zubereitung:

Speck in kleine Würfel schneiden, Zwiebeln ebenfalls. Schmalz erhitzen, Speck kurz rösten, Zwiebeln beigeben. Milch erhitzen, Eier versprudeln und unter die Semmelwürfel mischen. Heiße Milch mit diese Masse gut vermengen. Petersilie, Speck, Zwiebeln, Gewürze untermengen und 10 Minuten ziehen lassen. Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Mit nasser Hand Knödel formen, in Kochwasser einlegen, aufkochen, bei etwas reduzierter Temperatur siedend ca. 11 Minuten ziehen lassen.

Nun aus dem Wasser heben, in Rindsuppe (oder mit Kraut) servieren.

(Aus: Plachutta.Wagner »Die gute Küche«)

Tipps:

  • für Vegetarier: Speckwürfel durch Käsewürfel ersetzen
  • Wenn der Teig zu nass ist, um Knödel zu formen, mit etwas Mehl oder Semmelbrösel binden
  • Ein Probeknödel, der vorher »ins Wasser darf«, zeigt, ob die Masse die richtige Konsistenz hat – wenn er zerfällt, sollte der Teig gebunden werden (siehe oben), wenn er zu hart ist, kann man noch etwas Milch oder Ei dazugeben

 

Aber Vorsicht: ein Tiroler Knödel kann auch zur Waffe werden:  Der Knecht einer Mieminger Bäuerin wollte einen ihrer Knödel mit der Gabe harpunieren; der aber hüpfte aus der Suppenschüssel, rollte über den Boden zur Türe hinaus und den Hang hinutner, schlug dort in einem Haus eine Fensterscheibe ein und blieb dann – noch immer rund und unversehrt – liegen. (www.sagen.at)

Guten Appetit!“

von

Journalistin, früher ORF, seit ein paar Jahren im Redaktionsteam von "Mein Monat" und seit 2011 gerne gelegentlich für "Mieming-Online" und seit März 2015 auch für "blog-kaysers.at".

Kommentar verfassen